Vom Meer verschleiert – Die traurige Wahrheit über das Wal- und Delfinsterben in Fischernetzen

Der WDC Bericht „Shrouded by the Sea“ enthüllt die schockierende Wahrheit hinter dem Verfangen von Walen, Delfinen und Schweinswalen in Fischernetzen. Jährlich sterben auf diese Weise etwa 300.000 Wale und Delfine weltweit.

Die erschütternden Details, wie Wale und Delfine in Fischernetzen nach oft langwierigen Kämpfen und schweren Verletzungen langsam ihren Tod finden, werden in diesem Bericht dargestellt, welcher maßgeblich auf Untersuchungen einer Forschergruppe der University of Bristol beruht. Die meisten Delfine, die sich unter Wasser in Fischereiausrüstung verfangen, ersticken. Obwohl die Dauer bis zum Erstickungstod von Fall zu Fall variiert, ist davon auszugehen, dass viele Tiere länger leiden, als es moralisch vertretbar ist.

Wale und Delfine können ihren Atem für lange Zeit halten. Der kleinse Schweinswal kann zwischen zwei Atemzügen über fünf Minuten unter Wasser bleiben, Pottwale können sogar mehr als eine Stunde lang tauchen, bevor sie zum Luftholen wieder an die Oberfläche kommen müssen. Die Verletzungen an Tieren, die Beifang zum Opfer fielen, zeigen, dass viele von ihnen verzweifelt versucht haben, ihrer Gefangenschaft zu entkommen und entsetzliche Wunden davontrugen.

Diese Todesfälle sind für den Natur- und Tierschutz ein bekanntes Problem, einige Arten und Populationen sind aufgrund des Fischereibeifanges vom Aussterben bedroht. Was bisher allerdings noch nicht ausreichend Erwähnung erfahren hat, ist das Maß des Leidens, welches jedes Tier durch das Gefangenwerden erlebt. Als Folge von pelagischen Schleppnetzen und anderen Fischereimethoden werden immer wieder verendete Meeressäuger angeschwemmt.

Die ernsten Verletzungen von Walen und Delfinen durch Beifang sind Beweis für deren durchlebtes Leiden. Schnüre und Netze verursachen oftmals Schnitte und Abschürfungen der Haut; versucht sich das Tier zu befreien, ziehen sich die Schnüre fester und schneiden infolgedessen tiefer ins Fleisch. In extremen Fällen können Rücken- oder Schwanzflossen teilweise oder sogar ganz abgetrennt werden. Die Kadaver von Delfinen, die als Beifang starben, weisen häufig gebrochene Zähne, Schnäbel oder Kiefer sowie extreme innere Verletzungen auf.

Große Wale, die sich in Fischereiausrüstung verfangen, wurden mit tiefen Wunden bis in die Fettschicht oder sogar in die Knochen gefunden. Da diese Tiere allerdings stark genug sind, davon zu schwimmen und die Ausrüstung mit sich zu reißen, ziehen sich die Seile enger und schneiden immer tiefer in ihren Körper, woraus oft ein langsamer und schmerzvoller Tod resultiert.

Daher fordert WDC von Regierungen und Aufsichtsbehörden schnelles und entschiedenes Handeln, um dieses untragbare Leiden von Walen und Delfinen zu beenden. Veränderungen von Fischfangmethoden sind erforderlich. Auch muss die Möglichkeit in Erwägung gezogen werden, den Fischfang gänzlich einzustellen, wo der Schutz von Walen und Delfinen vor Beifang nicht gewährleistet werden kann.

Beifang ist ein ernsthaftes Tierschutzproblem. Es geht hierbei nicht nur um Tiere, deren Tod sich über einen langen Zeitraum hinzieht, sondern welcher außerdem äußerst schmerz- und qualvoll ist. Die Tiere brechen sich Zähne und Kiefer, trennen sich Flossen ab und erleiden tiefe Wunden sowie innere Verletzungen. Wenn sich dieses Leid auf Land - nicht verdeckt vom Meer - zutragen würde, würde die internationale Gemeinschaft bestimmt entschlossener und schneller handeln, um dieses Leid zu beenden. Es ist ein Skandal, welchen wir nicht länger dulden dürfen.

 

WDC verlangt, dass:

  • die Überwindung der technischen sowie administrativen Barrieren, die bisher noch die effektive Umsetzung  der verpflichtenden Anbringung so genannter Pinger (akustische Abschreckvorrichtungen) an Stell- sowie stationäre Kiemen- oder Verwickelnetzen entsprechend der Verordnung (EG) Nr.812/2004 verhindern, Priorität haben muss;
  • beim Ausbleiben der effektiven Verwendung von Pingern alternative Methoden zur Senkung der Walsterblichkeit in der Fischerei mit inakzeptablen Beifangquoten ergriffen werden müssen – das schließt auch, falls notwendig, Fischereiverbote ein;
  • die Verwendung von stationären Netzen (Stellnetzen oder Verwickelnetzen) hinsichtlich Art und Größe der Fanggeräte, zeitlicher und räumlicher Verbreitung ihrer Anwendung sowie der jeweiligen Beifangquote beobachtet wird, um die geeignetste und effektivste Möglichkeit der Beifangreduktion zu ermitteln;
  • verstärkt nach alternativen Maßnahmen zur Beifangminderung geforscht wird, beispielsweise durch gezieltere, auf einzelne Arten spezialisierte Fangmethoden;
  • innerhalb der EU auf weitere Schritte hinsichtlich Beifangminimierung durch pelagische Schleppnetze und andere Fangmethoden gedrängt wird, die von der Verordnung (EG) Nr.812/2004 noch nicht angesprochen werden, – und zwar wiederum mit der Option, Fischfang ganz zu stoppen, wenn andere technische Lösungen zur Senkung des Beifangrisikos bisher noch nicht verfügbar sind.

 

Den WDC Bericht „Shrouded by the Sea“ können Sie an dieser Stelle in englischer Sprache herunter laden.

„Shrouded by the Sea“ wird untermauert durch den Bericht „The Animal Welfare Implications of Cetacean Deaths in Fisheries“ von Carl D. Soulsbury, Graziella Iossa und Stephen Harris, Biologische Fakultät der University of Bristol, und gefördert durch WDC, welche Informationen aus der Poseidon-Datenbank der Regierung des Vereinigten Königreiches (eine Datenbank zu Autopsien bei Walen) untersucht.